Statue mit Maske

Kultur trotz(t) Corona

Die Corona-Pandemie hat Folgen für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Für einige Künstler*innen geht es um die Existenz. Musiker, Theaterbetreiber und Museen gehen mit eigenen Aktionen gegen die Krise vor. Auch die Bundesregierung unterstützt Kulturschaffende mit finanziellen Mitteln in Milliardenhöhe.


Not macht erfinderisch! Diese Weisheit trifft aktuell auf Künstler*innen und Unternehmen zu, die während der Corona-Krise auf das Publikum vor Ort verzichten müssen. Statt sich ihrem drohenden Schicksal zu ergeben und Verluste hinzunehmen, machen Künstler*innen das Beste aus der Situation. Die Osnabrücker Band „Mr. Hurley & Die Pulveraffen“ hat kurzerhand auf die Verschiebung ihrer Tour reagiert. Die vier Geschwister spielten ein Konzert, das von über 5.000 Fans im Livestream verfolgt wurde. Dabei konnten die Zuschauer „Hutgeld“ per PayPal spenden. Der Erlös sichere das Fortbestehen der Band für eine Weile, gaben die Musiker via Facebook bekannt.

Unter dem Motto „United we stream“ übertragen Berliner Clubs DJ-Sets live in die Wohnzimmer. Durch Spenden kamen innerhalb einer Woche mehr als 250.000 Euro zusammen. Clubs aus anderen Großstädten wollen sich der Aktion anschließen. Deutsche Popstars wie Max Giesinger oder Nico Santos haben gemeinsam das #WirBleibenZuhause-Festival auf ihren Instagram-Kanälen organisiert. Mit zeitweise bis zu 70.000 Zuschauern, bei den ersten Auflagen des Online-Festivals, ein großer Erfolg.


Virtuelle Führungen

Digitale Programmangebote bietet auch die Hamburger Elbphilharmonie an. Unter dem Titel
#ElphiAtHome steht ein vielfältiges Programm auf sozialen Netzwerken bereit. Dazu zählen unter anderem halbstündige Konzerte, die von ferngesteuerten Kameras aufgenommen werden und virtuelle Hausführungen durch die Räume des Konzerthauses. Derzeit sind die meisten Kultureinrichtungen geschlossen – auch Museen. Doch Kunst, Archäologie oder Naturkunde müssen nicht zu kurz kommen. So bietet etwa das Berliner Bode-Museum einen 360°-Rundgang an. Genauso „virtuell“ begeben sich interessierte Besucher in die Museen von Amsterdam, Wien oder London.


Streams zum Ausleihen

Auch in Kino- und Theatersälen bleiben zurzeit die Vorhänge geschlossen. Das Staatstheater Hannover passt sich der aktuellen Lage an und bringt, jeden Samstag ab 19:30 Uhr, die Bühne per Stream ins Wohnzimmer. In der Kinobranche ist man sich hingegen uneinig, was das Thema Streaming angeht. So bietet der kleine Arthouse-Verleih „Grandfilm“ aus Nürnberg seine Filme als Stream zum Ausleihen an und teilt die Einnahmen mit den Kinos, in denen die Filme normalerweise laufen. Branchenriese „Universal Studios“ stellt seine kommenden Kinoblockbuster ebenfalls als Leih-Stream zur Verfügung. Für Filmproduzent Stefan Arndt ist Streaming jedoch keine Alternative: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Krise den endgültigen Durchbruch für Netflix, Amazon und all die anderen Plattformen bedeutet. Wenn die Leute sich erst einmal daran gewöhnt haben, dass sie das Kino nicht brauchen, könnte es hart für uns werden,“ sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

 

Soforthilfe der Bundesregierung

Über das persönliche Engagement hinaus, können Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen die Soforthilfe der Bundesregierung in Anspruch nehmen. Dafür werden bis zu 50 Milliarden Euro bereitgestellt. Diese und weitere Maßnahmen sollen in dieser akuten Notlage diejenigen auffangen, denen infolge der Pandemie die Einnahmen wegbrechen.

Auch wenn Künstler*innen und Kultureinrichtungen mit unterschiedlichen Ideen gegen die Corona-Krise ankämpfen, wird sich erst nach einiger Zeit zeigen, wie hoch die Einbußen tatsächlich sein werden. Denn die verschobenen Tourneen, Filmstarts und Theateraufführungen werden die Branche vor neue Herausforderungen stellen.

Florian Waßmus
Florian Waßmus

floschreibt.de

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