Haken - Prosthetic Video Thumbnail

Haken – Virus

review

Lang lebe der Kakerlaken-König!

Haken gehören für mich neben Leprous und Between The Buried And Me zur Speerspitze der 2000er Prog-Bands. Ähnlich wie ihre Genre-Kollegen drücken sie der Szene ihren Stempel auf. Wirkte der Vorgänger Vector auf mich noch etwas unfertig und zu kurz geraten, so ergibt sich mit der Veröffentlichung von Virus nun doch die logische Fortführung der Thematik und des Sounds. 
Laut Drummer Ray Hearne erstreckt sich die lyrische und musikalische Aufarbeitung der Frage nach dem Cockroach King über beide Alben.

Während die Band auf dem Opus
The Mountain noch 70er Prog-Rock Anleihen erkennen ließ, frönten die Briten auf Affinity hemmungslos dem Sound der 80er. Nun scheinen Haken endgültig im modernen Progressive Metal Sound angekommen zu sein.

Der Opener
Prosthetic startet mit einem mächtigen Riffgewitter und erinnert stellenweise an härtere Dream Theater Songs à la The Enemy Inside. Nach den verzerrten Vocals zu Beginn rechne ich schon fast mit James LaBries Stimme, werde aber durch die unverkennbar charmante Art von Ross Jennings zurückbeordert. Starker Einstieg! 

Die Produktion stammt wie beim Vorgängeralbum von
Adam „Nolly“ Getgood, kommt aber noch etwas druckvoller und organischer aus den Boxen.
Invasion beginnt mit eindringlichen Vocals wie man sie auch von
Einar Solberg (Leprous) kennt, bevor es dann nach einer Minute im Band typischen Bombast gipfelt. Kommen wir mit Carousel zum längsten Track. Über zehn Minuten feuern Haken aus allen Rohren. Tänzelt Jennings’ Gesang zu Beginn noch gekonnt über leicht verzerrte Gitarren-Riffs, so zeigt er spätestens ab Minute zwei seine ganze Stimmgewalt. Der Song spielt immer wieder mit laut-leise Dynamik und lebt von grandioser Gitarrenarbeit. Highlight! 

The Strain
arbeitet mit düsterem Djent-Riffing im Mittelteil, während das vorab veröffentlichte Canary Yellow eher spielerisch leicht zum fünfteiligen Messiah Complex überleitet. Dessen erster Teil Ivory Tower nach kurzer Einleitung mit einer mächtigen Soundwand aufwartet, um dann die Handbremse deutlich zugunsten der Atmosphäre anzuziehen. Mit einer Extraportion Polyrhythmik im Bauch geht die progressive Achterbahnfahrt auf A Glutton For Punishment weiter. Wie schon auf dem gesamten Album, ruft Drummer Ray Hearne hier eine überragende Leistung ab. Marigold wechselt in kürzester Zeit von jazzigen Tönen zu fiesen Break-Passagen – keine Zeit zum Durchatmen.

Auch The Sect nimmt in knapp zwei Minuten einen ähnlich spektakulären Verlauf und huldigt mit seinen Zitaten dem allmächtigen Cockroach King. Bevor die ganzen Eindrücke verarbeitet werden können, gipfelt der Fünfteiler in Ectobius Rex (dt. Kakerlaken-König). Noch einmal wird alles geboten, der Song stielt in puncto Abwechslung sogar den anderen vier Teilen die Show. Wie im Verlauf des Albums schon zu hören, geht auch hier die gemeinsame Tour mit Devin Townsend nicht ganz spurlos an den Londonern vorbei. Während ich mit heruntergeklappter Kinnlade versuche Virus zu verarbeiten, läuft Only Stars und nimmt zum Abschluss das Thema von Clear wieder auf, dem ersten Song des Vector Albums.

fazit

Progressive Musik hat für mich immer eine wichtige Sache beinhaltet: Ein harter Stilmix, der letzten Endes zu einer homogenen Masse wird. Genau das haben Haken mittlerweile zu einem eigenen Sound vereint. Alternden Genre-Ikonen geht dieses Merkmal inzwischen recht häufig abhanden. Hörer, die mit The Mountain zur Band gekommen sind, müssen sich eventuell erst mal mit dem modernen Soundgewand auf Virus anfreunden. Nichtsdestotrotz spielen Haken auf schwindelerregend hohem Niveau und ich habe den Verdacht, dass Virus noch nicht der Höhepunkt der Bandkarriere gewesen ist.

Anspieltipps: Prosthetic, Carousel

Bewertung
90%
Florian Waßmus
Florian Waßmus

floschreibt.de

Eine Antwort

  1. Halli hallo habe mal rein gehört in die Musik .Ist ein bisschen verrückt und auch ein bisschen abgefahren .Der Text ist gut geschrieben weiter so .Liebe Grüsse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.